Vorträge und Zusammenfassung des 26. Weinmarketingtag Rheinland-Pfalz "Glück in der Nische"

Unter dem Motto „Glück in der Nische – Weinmarketing einmal anders“ fand am 7. November 2019 der 26. WeinMarketingtag Rheinland-Pfalz am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück (DLR) in Oppenheim statt. Vor einem Plenum mit über 200 Teilnehmern diskutierten Experten aus der Weinwirtschaft über die Chance, sich über eine Differenzierung und klare Fokussierung des Angebots erfolgreich im international gesättigten Weinmarkt zu positionieren.


Michael Lipps, Dienststellenleiter des DLR freute sich, dass sich der WeinMarketingtag zu einer erfolgreichen Plattform für Impulse und den Austausch innerhalb der Branche etabliert hat. „Mit dem WeinMarketingtag wollen wir Anreize zur Weiterentwicklung Ihrer Betriebe geben.“, so Lipps.

Walter Reineck vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau rief das Plenum dazu auf, die gegründeten Schutzgemeinschaften zu nutzen, um die Profilierung der Weine selbst in die Hand zu nehmen und diese anschließend gemeinsam mit den Gebietsweinwerbungen zu bewerben.

„Entscheidend ist es, die individuellen Besonderheiten und Stärken des Betriebes klar zu profilieren und sich dabei messerscharf auf die Bedürfnisse der Zielgruppe zu fokussieren.", resümierte Bernd Wechsler, Leiter des Kompetenzzentrums Weinmarkt & Weinmarketing Rheinland-Pfalz, der die Moderation des Nachmittags übernahm. Die Nischenstratgie öffne mit innovativen Produkten neue Marktsegmente oder besetze Bereiche, die für Großunternehmen zu klein geworden sind: „Man kann als Hidden Champion sehr glücklich werden.“, bestätigte Wechsler.

Deutscher Wein auf Exportmärkten – mehr als nur „klein aber fein“


Steffen Schindler, Abteilungsleiter Marketing beim Deutschen Weininstitut, zeigte den Imagewandel deutscher Weine im Ausland auf: Raus aus der eher unattraktiven Nische, in der deutscher Wein als zu kompliziert wahrgenommen wird, hin zu einer lustvollen, leidenschaftlichen Nische mit einem positiven, „coolen“ Image. Die prozentualen Marktanteile von deutschen Weinen liegen auf den meisten ausländischen Märkten meist im einstelligen Prozentbereich. „Wir müssen nicht mehr, wir müssen besser exportieren.“, so Schindler. Wachstumschancen sieht er dabei vor allem bei Bio-, Orange- und Natural-Weinen. „Wir müssen prägnanter und kreativer werden. Lasst uns angesagt und begehrt sein!“, forderte der Marketingexperte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf.

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26_Weinmarketingtag Rheinland Pfalz Vortrag Steffen Schindler DWI.pdf26_Weinmarketingtag Rheinland Pfalz Vortrag Steffen Schindler DWI.pdf


Griesel & Compagnie #machtsektwiedergross


Für eine Erfolgsgeschichte in der Nische „Premiumsekt“ steht Griesel & Compagnie aus Bensheim an der Hessischen Bergstraße. Griesel ist mit einem klar abgegrenzten Sortiment überwiegend in Fachhandel und Gastronomie vertreten, ein weiteres wichtiges Standbein ist der Export, während Online- und Direktvermarktung keine ganz so große Rolle spielen. Anna-Julia Faude, die den Bereich Marketing und Vertrieb verantwortet, machte deutlich, wie wichtig ein klares Konzept und eine kompromisslose Philosophie für den Erfolg sind. „Die Renaissance der deutschen Sektkunst war für uns als junges Start-up eine große Chance – wir haben das richtige Produkt zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt gebracht. Ohne unser junges, dynamisches Team, das mit Leidenschaft zu Sekt aus traditioneller Flaschengärung steht, ginge das alles nicht.“, konstatierte Faude.

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26_Weinmarketingtag Rheinland Pfalz Vortrag Anna-Julia Faude Griesel Sekt.pdf26_Weinmarketingtag Rheinland Pfalz Vortrag Anna-Julia Faude Griesel Sekt.pdf

Markenkonzepte für die Nische – same same but different


Für Felix Watzka, Projektmanager bei den Medienagenten, müssen Markenkonzepte individuell und fokussiert sein sowie einen hohen Wiedererkennungswert haben. „Die Nische verträgt noch viel mehr Weingüter.“, ermutigte Watzka und macht klar: „Je tiefer ich in die Nische gehe, desto mehr Kante muss ich zeigen.“ Auch wenn er zugleich einräumte, dass es für die Nische kein Rezept gibt. Deshalb gelte es, individuelle Weine mit einem einzigartigen, authentischen Weinstil zu erzeugen: das Lebensgefühl in Flaschen zu fassen.

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Historische Rebsorten - selten, wertvoll, wiederentdeckt


Ulrich Martin hat als Rebenzüchter im rheinhessischen Gundheim historische Rebsorten wiederentdeckt und sieht darin viel Potenzial. Winzern eröffnen sie die Möglichkeit, eine Nische zu erobern, die bislang von wenigen besetzt ist. „Historische Rebsorten erzählen spannende Geschichten und sprechen neue Zielgruppen an.“, so Martin. Gleichzeitig bieten sie die Chance, auf den Klimawandel zu reagieren, ebenso wie tolle Cuvées und damit neue Geschmackserlebnisse zu kreieren. „Mit historischen Rebsorten greifen wir den Trend der Rückbesinnung und der Regionalität auf.“, berichtete Martin.

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„Make Gutedel great again“


Hanspeter Ziereisen, Winzer aus dem Markgräflerland kümmert sich nicht um Konventionen. Seit Anfang der 90er geht er seinen eigenen Weg und ermutigte das Plenum, sich von Systemen loszulösen und mutig zu sein: „In den Fußstapfen anderer kommt man nicht schneller ans Ziel.“ Ganz ohne Marketingkonzept folgt Ziereisen seinem Instinkt. Der Erfolg gibt ihm Recht, so punktet er – allen voran mit seinem Gutedel - immer wieder bei Wettbewerben und in Weinführern. Eine kompromisslose Qualitätsphilosophie, zu der eine mindestens zweijährige Fassreife im Holzfass mit anschließender 4-5 jähriger Flaschenreife gehört, trägt zum Erfolg bei. Auch wenn die Weine allesamt bei der AP-Prüfung abgelehnt werden. „Nischen findet man nicht, in Nischen fällt man – vieles ergibt sich einfach.“, so Ziereisen.

Freier Vortrag ohne Präsentation


Wein radikal anders


Weinhändler Martin Kössler aus Nürnberg, fordert eine neue Realität bei Wein, die uns von Klimawandel und Naturweinbewegung auferlegt wird. Der Biomarkt sei so dynamisch, dass man sich ihm nicht mehr entziehen könnte. Auch Naturweine erfahren eine neue Wahrnehmung und sorgen für eine spannende Entwicklung auf dem Weinmarkt.Für Kössler zählen Werte wie Herkunft, Kultur und Qualität. Der Inhaber der k&u weinhalle rief dem Publikum zu: „Wir müssen raus aus der Eintönigkeit und der Preisspirale. Gehen Sie neue Wege mit spannenden Weine, die Werte schaffen. Jeder für sich sollte Wein neu radikal überdenken. Das ist der Weg in die eigene Nische.“

Freier Vortrag ohne Präsentation

Nach der Veranstaltung konnten sich die Teilnehmer im Rahmen einer kleinen Wein- und Sektverkostung von Individualität und Qualität der Weine der beteiligten Winzer überzeugen.

Weitere Informationen zum WeinMarketingtag Rheinland-Pfalz sowie über das Kompetenzzentrum Weinmarkt & Weinmarketing Rheinland-Pfalz erhalten Sie über DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, Kathrin Saaler, Tel: 0 61 33-930 301, kathrin.saaler@dlr.rlp.de


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