Grassilageergebnisse 2019:
Grassilagen noch energiereicher als 2018

Stand: 10/09/2019
Das warme und sonnige Wetter im April und Mai in diesem Jahr bot beste Voraussetzungen für einen qualitativ hochwertigen Grasaufwuchs. Mit Ø 6,5 bzw. 6,3 MJ NEL sind die Voraussetzungen für hohe Milchleistungen gegeben. Aufgrund der Trockenheit fiel die Erntemenge jedoch deutlich geringer aus als in den Vorjahren. Die Rohprotein- und Phosphorgehalte nehmen weiter tendenziell ab. Während Protein in vielen Betrieben zugekauft werden muss, sind die abnehmenden P-Gehalte in den Silagen meist kein Problem. Durch den Wechsel von Soja- auf Rapsextraktionsschrot im Zuge der GVO-freien Fütterung wird über Rapsextraktionsschrot i.d.R. so viel P importiert, dass in vielen Fällen sogar auf eine P-Ergänzung über das Mineralfutter verzichtet werden kann. Da ein geringer P-Gehalt in der Silage häufig einen geringen Proteingehalt zur Folge hat, sind die sinkenden P-Gehalte in der Silage vor dem Hintergrund des Imports von Eiweißfutter aus Übersee / dem Zukauf teuren Eiweißfutters bedenklich.
Viele Silagen waren zum Zeitpunkt der Probenahme noch nicht ausreichend vergoren. Aufgrund der hohen Trockenmassegehalte ist zu befürchten, dass in vielen dieser Silagen bis zum Verfüttern nicht genügend Milchsäure gebildet wird. Betriebe, deren Silagen sehr trocken und zuckerreich sind, sollten diese mindestens 100 Tage geschlossen lassen, bevor sie geöffnet werden. Außerdem sollte auf einen ausreichenden Vorschub geachtet werden, um Nacherwärmung vorzubeugen. Beim Einsatz zuckerreicher und rohfaserarmer Silagen in Kombination mit größeren Anteilen an Maissilage und/oder Getreide steigt zudem die Gefahr der Pansenacidose. In solchen Rationen ist auf eine ausreichende Strukturversorgung zu achten. Aufgrund des geringen Rohaschegehaltes dürften Probleme mit Fehlgärungen (Buttersäure) eher selten sein.Für die Auswertung der Grassilageergebnisse 2019 wurden bis zum 20.08. von der LUFA Speyer 881 Grassilageproben des 1. und 2. Schnitts aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland analysiert.


Zusammenfassung - für eilige Leser!
  • Die Grassilagen 2019 sind mit Ø 6,4 MJ NEL im 1. und 6,2 MJ im 2. Schnitt sehr energiereich und für die Fütterung laktierender Kühe gut geeignet.
  • Die Rohproteingehalte liegen mit 141 (1. Schnitt) bzw. 150 g/kg TM (2. Schnitt) auf sehr niedrigem Niveau. Wer seine Grassilagen mit energiereichen, proteinarmen Komponenten wie Maissilage, Pressschnitzel oder Getreide kombiniert, wird Eiweißkomponenten zukaufen müssen.
  • Eiweißreiche Komponenten wie Raps- und Sojaextraktionsschrot oder Biertreber enthalten erhebliche Mengen P. Mit steigenden Mengen an Eiweißfutter in der Ration steigt deshalb auch die P-Aufnahme. Viele Betriebe werden deshalb auf eine P-Ergänzung über das Mineralfutter verzichten können. Dies entlastet Geldbeutel und Umwelt.
  • Viele Silagen waren zum Zeitpunkt der Probenahme noch nicht ausreichend vergoren. Es ist zu befürchten, dass nicht genügend Milchsäure gebildet wurde. Um Nacherwärmung zu vermeiden, sollten zuckerreiche Silagen (> 80 g Restzucker) mit einem hohen pH-Wert (> 4,5) mindestens 100 Tage durchsilieren und möglichst in der kalten Jahreszeit verfüttert werden. Der Vorschub sollte mindestens 2m pro Woche betragen.
  • Im Mittel enthalten die Silagen ausreichend Rohfaser und ADF. In Kombination mit den strukturreichen Maissilagen 2018 werden Probleme aufgrund von Strukturmangel eher selten auftreten. Wie die Maissilage 2019 ausfallen wird, ist schwer vorherzusagen. Zu beachten ist der z.T. sehr hohe Restzuckergehalt in einigen Grassilagen. Vor allem, wenn größere Mengen an Getreide verfüttert werden sollen du der Mais 2019 mehr Stärke enthält als der Mais 2018. Eine Rationsberechnung auf der Basis von Futteranalysen hilft, Fütterungsfehler im Vorfeld zu reduzieren. Das gilt auch für die Trockensteher (Stichwort Milchfieberprophylaxe).
  • Probleme mit Fehlgärungen (Buttersäure) sollten eher selten auftreten.

Die Grassilagen 2019 sind mit einem durchschnittliche Energiegehalt von 6,4 MJ NEL im 1. Schnitt und 6,2 MJ NEL im 2. Schnitt sehr energiereich. © DLR Eifel
Im Dateianhang finden Sie die ausführliche Kommentierung der Untersuchungsergebnisse
Download: Grassilageergebnisse_ 2019.pdfGrassilageergebnisse_ 2019.pdf


thomas.priesmann@dlr.rlp.de     www.DLR-Eifel.rlp.de drucken nach oben  zurück